LIVE-Dienste - Das ungenutzte Potential
07 Mai 2011 - 22:30 Uhr
Von Oskar
Erst kürzlich mußte Harold Goddijn, Vorstandsvorsitzender des niederländischen Weltmarktführers TomTom, auf der Pressekonferenz anläßlich der Veröffentlichung der Zahlen für das 1. Quartal 2011 die Ergebniserwartung für das laufende Geschäftsjahr zurücknehmen.Dabei handelt es sich keineswegs um eine unerwartete Entwicklung, sondern vielmehr nur um eine Korrektur falscher, weil zu optimistischer, Prognosen. Bisher hat das Unternehmen, seitdem es im Jahr 2005 an die Börse ging, seinen Aktionären keinen einzigen Cent Dividende ausgeschüttet, die Reaktionen darauf fallen entsprechend aus - in letzter Zeit zunehmend heftiger.
Angesichts dessen kann man sich schon fragen, weshalb ausgerechnet TomTom als Pionier und Erfinder von bahnbrechenden Features wie IQ Routes oder High Definition Traffic das Potential seiner LIVE-Services so wenig ausschöpft. Einstmals führte TomTom das Internet auf dem mobilen Navi ein, doch immer noch wird nur ein winziger Bruchteil dessen genutzt, was praktisch möglich wäre. Wenn man sich auf Dauer am Markt, auch und vor allem gegenüber den Smartphone-Lösungen à la iPhone, behaupten will, was bitteschön, so frage ich mich, bleibt dem Unternehmen dann noch anderes übrig als vermehrt neue Inhalte anzubieten?
Stattdessen jedoch tut man bisweilen genau das Gegenteil! Wenn man eine klassische Bauchlandung so wie zuletzt mit dem Kraftstoffpreis-Dienst hinlegt, dann darf man doch nicht einfach das Handtuch werfen! Entweder verdonnert man den Vertragspartner dazu verläßlichere Daten bereitzustellen, oder man sucht sich einen anderen Provider - ausreichend Auswahl besteht für die meisten Länder für die man Karten in der Tasche hat.
Damit hier kein Missverständnis entsteht: Ein TomTom Navi tut genau das wofür es primär gebaut wurde: Es bringt einen von A nach B. Zusammen mit IQ Routes und HDT tut es das sogar sehr gut, und nach wie vor allemal besser als die Navis der Mitbewerber. Ich wage allerdings zu bezweifeln dass dies auf Dauer reichen wird. Warum teilt man die LIVE-Dienste nicht einfach auf? So könnte man z.B. ein Basic-Paket, bestehend aus HDT, Google Local Search, Wetter und QuickGPSfix schnüren und dies zu einem Preis, der auf dem bisherigen Niveau oder sogar noch darunter liegt. Zusätzlich aber schafft man eine Plattform für alle möglichen weiteren LIVE-Bezahldienste, die sich gut auf einem Navigationsgerät nutzen und einzeln oder in Kombinationen monatlich, halbjährlich und jährlich als Abo erwerben lassen.

Genau so wie der Text zu vorstehendem Bild stelle ich mir das vor: "Wissen, was kommt", das ist doch das Schlagwort! Neben den Kraftstoffpreisen fallen mir da so Sachen wie Abfahrt- und Ankunftszeiten der regionalen Verkehrsbetriebe, des Schienen- und Luftverkehrs ein, aber auch Oper-, Theater-, Musical- und Kinoprogramme, Städte-, Restaurant- und Shoppingführer und und und. Optimal wär's natürlich, wenn man neben dem "Navigiere dorthin" auch noch seine Reservierung, Buchung oder die Eintrittskarte gleich online vornehmen bzw. erwerben kann. Man muss ja nicht gleich Apple kopieren, aber es gibt doch unendlich viele Möglichkeiten. Komisch, "Location Based Services" oder neudeutsch "Standortbezogene Dienste", heißt es vom TomTom Management schon seit Jahren immer wieder, gilt es auszubauen, doch was tut sich da konkret, frage ich mich.
Wie die Zukunft des Navis aussieht weiß ich nicht, und auch nicht ob es überhaupt eine Zukunft haben wird. Wenn man aber nicht bereit ist jetzt über den Tellerrand zu schauen, so fürchte ich, hat sich das bald erübrigt, dann ist man rechts und links überholt worden und hat nahezu hoffnungslos den Anschluss verloren, so wie es einst Palm erging und Nokia momentan.

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